Von klein auf: Wie Ihr Kind wächst

Das menschliche Wachstum und die erzielte Körpergröße hängen von vielen Einflussfaktoren wie den Hormonen, Genen, einer ausgewogenen Ernährung und auch von chronischen Krankheiten ab. Mehr

Mögliche Ursachen für Wachstumsstörungen können daher ein Mangel an Wachstumshormon oder eine Schilddrüsenfunktionsstörungen sein. Auch Grunderkrankungen mit Gedeihstörungen, wie eine Zöliakie und chronische Organerkrankungen wie die Nieren- oder Leberinsuffizienz können zu Wachstumsverzögerungen führen. In vielen Fällen liegt jedoch ein familiärer Kleinwuchs oder lediglich eine Verzögerung von Wachstum und Pubertät zugrunde. Beide Formen sind in der Regel nicht behandlungsbedürftig, da die Kinder ihre genetische Zielgröße trotzdem erreichen werden.

Eine jährliche Kontrolle der Körpergröße und des Gewichts Ihres Kindes beim Kinderarzt ist daher besonders wichtig. So kann eine Wachstumsstörung frühzeitig erkannt und somit behandelt oder bestenfalls ausgeschlossen werden. Sollte eine abnehmende Wachstumsgeschwindigkeit festgestellt werden, was am Abweichen der Körpergröße von der bisherigen Perzentilkurve nach unten deutlich wird, ist es möglich, dass die familienbezogene Zielgröße des Kindes nicht erreicht wird. Die Erwachsenengröße könnte dann auch unter dem Normbereich liegen. Bei Jungen liegt die untere Normbereichsgrenze bei einer Körpergröße von ca. 166 cm, bei Mädchen bei ca. 154 cm.

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Wie eine Wachstumsstörung aussehen könnte, zeigt diese Grafik: Der Junge und das Mädchen wachsen bis zum Alter von vier Jahren auf ihrer familienbezogenen Perzentilkurve P50. Mit ca. fünf Jahren beginnen beide langsamer und nicht mehr auf der genetisch bedingten Wachstumskurve zu wachsen.

Antriebsmotor Wachstumshormon: Das Größenwachstum Ihres Kindes

Nach der Geburt ist das körpereigene Wachstumshormon verantwortlich für das Wachstum Ihres Kindes. Dabei wachsen Kinder im ersten Lebensjahr und im Pubertätsalter besonders stark. Mehr

Gebildet wird das Wachstumshormon in der Hirnanhangsdrüse. Auf ein bestimmtes Signal hin wird es dann in kleinen Mengen in das Blut ausgeschüttet. So gelangt das Hormon über die Blutbahnen an die unterschiedlichen Ziele im Körper. In der Leber bewirkt das Wachstumshormon die Freisetzung eines Wachstumsfaktors (IGF-1). Gemeinsam regulieren das Wachstumshormon und der Wachstumsfaktor die Länge des Knochenwachstums und somit das Längenwachstum Ihres Kindes. Zusätzlich werden seine Muskeln und Knochen gestärkt. Die gesamte Entwicklung ist in verschiedene Phasen aufgeteilt, in denen der Körper unterschiedlich schnell wächst. Nach der Pubertät sind die Wachstumsfugen geschlossen und das Wachstum ist beendet, da die Endgröße erreicht ist.

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Wenn Ihrem Kind das Wachstumshormon fehlt oder nur ungenügende Mengen produziert werden, wächst es im Vergleich zu seinen Geschwistern oder gleichaltrigen Freunden langsamer. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Ihr Kind trotz normaler Körperproportionen für sein Alter zu klein ist und verschiedene charakteristische Merkmale aufweist. Mit der Ermittlung der genetischen Zielgröße Ihres Kindes, die Sie mittels der nachfolgenden Formel einfach selbst berechnen können, haben Sie die Möglichkeit, sich im Zusammenhang mit den Perzentilkurven bereits ein Bild davon machen, ob Ihr Kind seinem Alter entsprechend wächst.

Einfach selbst berechnen: So groß kann Ihr Kind werden

Wenn Kinder gleichen Alters unterschiedlich groß sind, hat das auch etwas mit den Genen ihrer Eltern zu tun. Kleinere Kinder haben daher oft auch kleinere Eltern.
Mit dieser einfachen Formel können Sie berechnen, wie groß Ihr Kind später, den genetischen Voraussetzungen entsprechend, einmal werden könnte:

  • Zielgröße Jungen:
    (Größe des Vaters in cm + Größe der Mutter in cm : 2) – 6,5 cm
    (_______________________  cm : 2)+ 6,5 cm
  • Zielgröße Mädchen:
    (Größe des Vaters in cm + Größe der Mutter in cm :2) – 6,5 cm
    (_______________________ cm : 2) – 6,5 cm

Darauf kommt es an: Einflussfaktoren des Wachstums

Allgemein betrachtet hängt das Wachstum Ihres Kindes von verschiedenen inneren und äußerlichen Einflüssen ab:

Die Zielgröße, die ein Kind erreichen wird, ist in erster Linie genetisch bedingt: Sind Sie als Eltern eher kleiner, liegt die Körpergröße Ihres Kindes auch eher unter der seiner Altersgenossen. Kinder von größeren Eltern dagegen liegen in der Regel über dem Durchschnitt.

Vorgeburtliche Umwelteinflüsse, wie z. B. eine Mangelernährung der Mutter, Unterfunktion der Plazenta, oder Nikotin- bzw. Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft, können ein geringeres Geburtsgewicht und/oder eine geringere Geburtsgröße zur Folge haben.

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung und das Ausbleiben chronischer Erkrankungen können sich positiv auf das Wachstum Ihres Kindes auswirken.

Mangelernährung auch als Folge einer Zöliakie oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und schwere organische Erkrankungen wie Nieren- oder Leberprobleme sowie Herzfehler können sich negativ auf die Endgröße auswirken.

Auch eine längere Behandlung mancher Erkrankungen mit bestimmten Medikamenten, wie bei Rheuma oder nach einer Organtransplantation, kann das Wachstum des Kindes negativ beeinflussen.

Psychischer Druck oder fehlende soziale Integration im Alltag Ihres Kindes können die Wachstumsentwicklung ebenfalls beeinträchtigen.

Außerdem können genetische Erkrankungen wie das Ullrich-Turner-Syndrom oder Skeletterkrankungen zur Folge haben, dass Ihr Kind nicht richtig wachsen kann.

Damit ein Kind entsprechend seiner genetischen Zielgröße normal heranwächst, muss das körpereigene Hormonsystem funktionieren. Wachstumshormonmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Überfunktion der Nebennieren können eine verminderte Körpergröße nach sich ziehen.

Wachstumshormonmangel: Daher kommt die Diagnose

Ist der Kinderarzt der Ansicht, dass Ihr Kind an einem verminderten Wachstum leiden könnte, sollten Sie einen Spezialisten (Kinderendokrinologe) aufsuchen und die Ursachen herausfinden lassen. Mehr

Der Wachstumsverlauf lässt sich anhand der Perzentilkurve leicht ablesen. Eine Wachstumsstörung könnte dann vorliegen, wenn Ihr Kind über längere Zeit unterhalb der für sein Alter entsprechenden, familienbezogenen Perzentilkurve wächst oder diese durchkreuzt, nach unten abweicht und somit nicht mehr auf der seiner genetischen Zielgröße entsprechenden Kurve wächst.

Für die Diagnose eines Wachstumshormonmangels analysiert der Spezialist (Kinderendokrinologe) zunächst den bisherigen Wachstumsverlauf Ihres Kindes und erfasst seine bisherige Krankengeschichte. Dadurch sollen mögliche andere Ursachen für die Wachstumsstörung ausgeschlossen werden. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel, können verschiedene Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Wachstumsfaktoren und von Wachstumshormon durchgeführt werden. In speziellen Stimulationstests wird die natürliche Produktion des Wachstumshormons im Körper Ihres Kindes durch bestimmte Substanzen künstlich angeregt. Liegt ein Wachstumshormonmangel vor, ist die auf diese Weise stimulierte Hormonproduktion bei Ihrem Kind geringer als bei Kindern ohne Hormonmangel. Nachweisen kann der Arzt diesen Unterschied durch eine Blutuntersuchung. Ein Wachstumshormonmangel kann auch aufgrund einer zu kleinen oder einer geschädigten Hirnanhangsdrüse entstehen, eine Ursache die der Arzt ebenfalls anhand von Untersuchungen herausfinden kann.
Eine weitere mögliche Untersuchung ist das Röntgen der linken Hand Ihres Kindes. Mit dieser Methode kann der Arzt feststellen, ob die Knochenreife altersgerecht oder verzögert ist. Wenn das Wachstumshormon nicht oder nur unzureichend produziert wird, reifen die Knochen grundsätzlich langsamer als die der Gleichaltrigen ohne Wachstumshormonmangel.

Weitere Erkrankungen mit Kleinwuchs, wie SGA, Ullrich-Turner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom oder eine Niereninsuffizienz können ebenfalls mit Wachstumshormon behandelt werden.

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Aufgeklärt: So sieht der Wachstumshormonmangel bei Kindern aus

Trotzdem groß: Dank Therapie kein Problem

Sollte bei Ihrem Kind ein Wachstumshormonmangel festgestellt werden und es nicht auf der für sein Alter entsprechenden, familienbezogenen Perzentilkurve liegen, raten Ihnen der Kinderarzt und der Kinderendokrinologe möglicherweise zu einer sogenannten Wachstumshormon-Therapie. Mehr

Mit dieser Art der Therapie kann Ihr Kind in der Regel seine genetische Zielgröße erreichen. Voraussetzung dafür, dass diese Kinder ihr Wachstum nachholen können, sind eine frühzeitige Diagnose des Wachstumshormonmangels vom Arzt und der rechtzeitige Beginn der Therapie. Im Allgemeinen erhält Ihr Kind das Hormon bis zu seinem Wachstumsstillstand nach der abgeschlossenen Pubertät. Sieht der Kinderendokrinologe eine Wachstumshormon-Therapie als notwendig an, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für die Behandlung. Je nach Ursache der Wachstumsstörung wird auch die Niere, Schilddrüse oder die Zölliakie entsprechend behandelt.

Wie Ihr Kind das Wachstum wieder aufholt

Mit Hilfe der Gabe von Wachstumshormon kann ein vorliegender Hormonmangel bei Ihrem Kind ausgeglichen werden. Da Wachstumshormon im Magen-Darm-Trakt zerstört wird, muss es ähnlich wie Insulin bei Diabetikern gespritzt werden. Wachstumshormon wird einmal täglich ins Unterhautfettgewebe, zum Beispiel in den Bauch oder in den Oberschenkel gespritzt. Aufgrund der leichten Anwendung können sowohl Sie, als auch Ihr Kind – abhängig vom Alter – diesen Vorgang selbst erlernen. Die Nadel ist sehr dünn, so dass Ihr Kind die Spritze kaum spürt.
Die Injektion wird abends vor dem Schlafengehen durchgeführt, da auch das körpereigene Wachstumshormon vor allem nachts produziert wird. Wie hoch die tägliche Dosis des Wachstumshormons sein muss, teilt Ihnen der Kinderendokrinologe mit. Er passt die Hormondosis im Laufe der Zeit schrittweise an die Bedürfnisse Ihres Kindes an.

Wenn die Diagnose Wachstumshormonmangel rechtzeitig gestellt und mit der Therapie entsprechend frühzeitig begonnen wird, hat Ihr Kind gute Aussichten, sein Wachstumsdefizit im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Wachstumshormonmangel aufzuholen. Besonders in den ersten drei bis sechs Behandlungsmonaten werden Sie die Fortschritte seiner Wachstumsgeschwindigkeit beobachten können. Im Normalfall gilt die Behandlung der Wachstumsstörung mit Wachstumshormon als beendet, wenn Ihr Kind sein Wachstum nach dem Ende der Pubertät abgeschlossen hat.

Erfolgsversprechend: Ihr Kind nach der Therapie

Ihr Kind kann durch eine Wachstumshormonbehandlung nicht nur sichtbar in der Körpergröße aufholen. Möglicherweise wird es sich auch äußerlich etwas verändern:

• Seine kindlichen Züge, sein Puppengesicht, könnten verschwinden.

• Hände und Füße Ihres Kindes wachsen entsprechend seines tatsächlichen Alters.

• Es ist möglich, dass Ihr Kind kleine Fettpolster abbaut und Muskelmasse entwickelt. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit kann zunehmen.

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Mit Mythen aufgeräumt: Kein Kind wird zu schnell zu groß

Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihnen die Ärzte für Ihr Kind eine Wachstumshormonbehandlung nahelegen. Mehr

Allgemeine Behauptungen über Hormonbehandlungen, oder die Annahme, dass Ihr Kind kurz nach Beginn der Therapie überaus schnell wachsen und zu groß werden könnte, sind unbegründet. Ganz im Gegenteil: Durch die Behandlung können Sie mit Freude beobachten, wie Ihr Kind sein Wachstum sichtbar aufholt. Seine familienbezogene Zielgröße wird aufgrund der Therapie jedoch nicht überschritten. Auch die Vermutung, Ihr Kind könnte durch die Behandlung zu einer verstärkten Körperbehaarung neigen, ist ein Trugschluss. Lassen Sie sich durch Mythen wie diese nicht verunsichern – wenden Sie sich bei Fragen an Ihren Kinderarzt und den Hormonspezialisten, den Kinderendokrinologen. Genießen Sie lieber das Strahlen Ihres Kindes, wenn es feststellt, dass es wieder ein Stückchen größer geworden ist.

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Hier finden Sie einen Ratgeber, der Ihnen mit nützlichen Tipps zur Seite steht, zum Beispiel wie Sie Ihr Kind während der Wachstumshormon-Therapie motivieren können.
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