Trotzdem groß: Dank Therapie kein Problem

Sollte bei Ihrem Kind ein Wachstumshormonmangel festgestellt werden und es nicht auf der für sein Alter entsprechenden, familienbezogenen Perzentilkurve liegen, raten Ihnen der Kinderarzt und der Kinderendokrinologe möglicherweise zu einer sogenannten Wachstumshormon-Therapie. Mit dieser Art der Therapie kann Ihr Kind in der Regel seine genetische Zielgröße erreichen. Voraussetzung dafür, dass diese Kinder ihr Wachstum nachholen können, sind eine frühzeitige Diagnose des Wachstumshormonmangels vom Arzt und der rechtzeitige Beginn der Therapie. Im Allgemeinen erhält Ihr Kind das Hormon bis zu seinem Wachstumsstillstand nach der abgeschlossenen Pubertät. Sieht der Kinderendokrinologe eine Wachstumshormon-Therapie als notwendig an, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für die Behandlung. Je nach Ursache der Wachstumsstörung werden auch die Nieren, Schilddrüse oder ggf. die Zöliakie entsprechend behandelt.

Wie Ihr Kind das Wachstum wieder aufholt 

Mit Hilfe der Gabe von Wachstumshormon kann ein vorliegender Hormonmangel bei Ihrem Kind ausgeglichen werden. Da Wachstumshormon im Magen-Darm-Trakt zerstört wird, muss es ähnlich wie Insulin bei Diabetikern gespritzt werden. Wachstumshormon wird einmal täglich ins Unterhautfettgewebe, zum Beispiel in den Bauch oder in den Oberschenkel, gespritzt. Aufgrund der leichten Anwendung können sowohl Sie, als auch Ihr Kind – abhängig vom Alter – diesen Vorgang selbst erlernen. Die Nadel ist sehr dünn, so dass Ihr Kind die Spritze kaum spürt.

Die Injektion wird abends vor dem Schlafengehen durchgeführt, da auch das körpereigene Wachstumshormon vor allem nachts produziert wird. Wie hoch die tägliche Wachstumshormon-Dosis sein muss, teilt Ihnen der Kinderendokrinologe mit. Er passt die Hormondosis im Laufe der Zeit schrittweise an die Bedürfnisse Ihres Kindes an.

Wenn die Diagnose Wachstumshormonmangel rechtzeitig gestellt und mit der Therapie entsprechend frühzeitig begonnen wird, hat Ihr Kind gute Aussichten, sein Wachstumsdefizit im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Wachstumshormonmangel aufzuholen. Besonders in den ersten drei bis sechs Behandlungsmonaten werden Sie die Fortschritte seiner Wachstumsgeschwindigkeit beobachten können. Im Normalfall gilt die Behandlung der Wachstumsstörung mit Wachstumshormon als beendet, wenn Ihr Kind sein Wachstum nach dem Ende der Pubertät abgeschlossen hat.

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Erfolgsversprechend: Ihr Kind nach der Therapie

Ihr Kind holt durch eine Wachstumshormonbehandlung nicht nur sichtbar in der Körpergröße auf. Möglicherweise wird es sich auch äußerlich etwas verändern:

  • Seine kindlichen Züge, sein Puppengesicht, könnten verschwinden.
  • Hände und Füße Ihres Kindes wachsen entsprechend seines tatsächlichen Alters.
  • Es ist möglich, dass Ihr Kind kleine Fettpolster abbaut und Muskelmasse. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit kann zunehmen.

Mit Mythen aufgeräumt: Kein Kind wird zu schnell zu groß

Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihnen die Ärzte für Ihr Kind eine Wachstumshormonbehandlung nahelegen. Allgemeine Behauptungen über Hormonbehandlungen, oder die Annahme, dass Ihr Kind kurz nach Beginn der Therapie überaus schnell wachsen und zu groß werden könnte, sind unbegründet. Ganz im Gegenteil: Durch die Behandlung können Sie mit Freude beobachten, wie Ihr Kind sein Wachstum sichtbar aufholt. Seine familienbezogene Zielgröße wird aufgrund der Therapie jedoch nicht überschritten. Auch die Vermutung, Ihr Kind könnte durch die Behandlung zu einer verstärkten Körperbehaarung neigen, ist ein Trugschluss. Lassen Sie sich durch Mythen wie diese nicht verunsichern – wenden Sie sich bei Fragen an Ihren Kinderarzt und den Hormonspezialisten, den Kinderendokrinologen. Genießen Sie lieber das Strahlen Ihres Kindes, wenn es feststellt, dass es wieder ein Stückchen größer geworden ist.

Wachstumshormonstörung Ihres Kindes: Unterstützung und Hilfestellungen

Ja zur Größe: Wie motiviere ich mein Kind für die Behandlung mit Wachstumshormon?

Da die tägliche Behandlung, also die Injektion des Hormons, einfach erlernt wird, kann der Vorgang sogar von Ihrem Kind – je nach Alter – selbst vorgenommen werden. Dank einer sehr dünnen Nadel nimmt ihr Kind die Injektion kaum wahr. Motivieren Sie Ihr Kind für die tägliche Therapie, zum Beispiel mit Tapferkeitspunkten. Ein noch viel wichtigerer Motivationspunkt wäre: groß sein! Mit jeder Behandlung der voraussichtlichen Größe ein Stück näher.

Wachstumshormonmangel meines Kindes: Was bedeutet das für uns als Familie?

Die Diagnose Wachstumshormonmangel bedeutet für Sie als Familie keine große Umstellung. Einzig die tägliche Injektion verändert den Alltag. Integrieren Sie das Vorgehen als Ritual z. B. vor dem Zubettgehen. So gewöhnen sowohl Sie sich als auch Ihr Kind besser daran.

Personen aus dem Umfeld: Wen muss ich über den Wachstumshormonmangel meines Kindes informieren?

Sie und Ihr Kind allein entscheiden, wem Sie von der Wachstumsstörung erzählen wollen. Bedenken Sie jedoch, dass Ihr Kind sicher einmal auf Klassenfahrt gehen, bei Freunden übernachten oder anderweitig vielleicht nicht in der gewohnten Umgebung sein wird. Somit müsste Ihr Kind – je nach Alter – seine Injektion selbst durchführen oder Sie bitten die entsprechende Aufsichtsperson, die Injektionen vorzunehmen. In Fällen wie diesen ist es sowohl für Sie als Eltern, als auch für andere Beteiligte einfacher, über die Situation Ihres Kindes zu sprechen. So können Sie sicher gehen, dass Ihr Kind auch außerhalb seiner gewohnten Umgebung seine Therapie fortsetzen kann.

Mein Kind ist kleiner als seine Altersgenossen – Wie kann ich damit umgehen?

Ihr Kind mag zwar eine Wachstumsstörung haben, diese kann aber erfolgreich behandelt werden. Lassen Sie sich also nicht von anderen verunsichern – schöpfen Sie lieber Energie daraus, dass Ihr Kind dank der Behandlung seine eigentliche, genetische Zielgröße erreichen und groß werden kann. Auch Ihr Kind wird sich dementsprechend anderen gegenüber äußern und erklären, dass es zwar jetzt noch klein ist, dass es aber noch wachsen wird. Seien Sie stolz auf Ihren kleinen Helden.

Informationen und Hilfe von anderen Betroffen: An wen kann ich mich wenden?

Mit dem Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF) finden Sie eine unabhängige Anlaufstelle für Beratung und Aufklärung sowie Unterstützung beim Kontakt mit Ärzten, Behörden und Institutionen. Der Verband besteht ebenfalls aus Eltern von Kindern mit Wachstumshormonmangel oder kleinwüchsigen Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, um die Interessen von Menschen mit Wachstumsstörungen zu vertreten.

Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF)

Beratungs- und Geschäftsstelle
Leinestraße 2
28199 Bremen

Hier finden Sie Tipps und Informationen, wie Sie als Eltern gut mitverfolgen können, wie Ihr Kind wächst und gemeinsam mit dem Kinderarzt auch herausfinden können, ob Ihr Kind richtig wächst.
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