Ratschläge im Überfluss? So bleiben Eltern bei Wachstumsproblemen entspannt
Gut gemeinte Ratschläge gehören zum Alltag vieler Eltern. Sie kommen von Großeltern, Freundinnen, Freunden und Bekannten, an der Kita-Tür oder aus dem Netz – oft mit der besten Absicht, manchmal aber zur falschen Zeit oder in einer Form, die Druck erzeugt. Gerade bei sensiblen Themen wie der Körpergröße oder einer möglichen Wachstumsstörung des eigenen Kindes, können derartige Tipps schnell verunsichern. Eltern fragen sich dann: „Mache ich etwas falsch?“ oder „Muss ich sofort handeln?“ Wichtig ist die Balance: Nicht jede Bemerkung ist gegen Sie gerichtet – oft steckt schlicht der Wunsch dahinter, zu unterstützen. Es hilft, nicht sofort in den Verteidigungsmodus zu gehen, sondern erst zu prüfen, ob etwas Nützliches darin steckt. Die gute Nachricht: Mit etwas Übung lässt sich Nützliches herausfiltern und gleichzeitig vermeiden, dass Druck oder Stress entsteht.
Erst wahrnehmen, dann reagieren
Bevor Sie antworten, empfehlen Psychologinnen und Psychologen, einmal bewusst durchzuatmen und sich zu fragen: „Fühle ich mich gerade angegriffen oder bin ich einfach nur müde, gestresst, besorgt?“ Diese kleine Pause hilft, die Situation einzuordnen und gelassener zu bleiben. Nicht jeder Kommentar ist Kritik, sondern häufig stecken Sorge oder Hilfsbereitschaft dahinter.
Zuhören – ohne Verpflichtung
Es ist möglich, wertschätzend zuzuhören, ohne sich festzulegen. Ein einfacher Satz wie „Danke für den Hinweis, ich schaue mir das in Ruhe an.“ signalisiert Offenheit, lässt Ihnen aber Entscheidungsspielraum. Das nimmt Druck raus – für Sie und Ihr Gegenüber.
Zeit nehmen, Inhalte zu prüfen
Nicht jeder Tipp passt zu jeder Familie. Geben Sie sich Zeit und prüfen Sie in Ruhe:
- Ist der Rat fachlich fundiert (z. B. Empfehlung der Kinderärztin/des Kinderarztes oder einer spezialisierten Fachstelle)?
- Passt er zu unserem Kind, unserer Situation und unseren Werten?
- Ist er umsetzbar, ohne zusätzlichen Stress zu erzeugen? Gerade bei medizinischen Fragen – etwa zum Thema Wachstum – gilt es Fachpersonen einbeziehen. So bleibt die Verantwortung da, wo sie hingehört, und Sie gewinnen Sicherheit.
Offen bleiben und bewusst auswählen
Offenheit bedeutet nicht, jeden Rat anzunehmen und umzusetzen, aber sie kann auch Chancen für neue Perspektiven eröffnen. Gerade bei Wachstumsproblemen können Anregungen zur Förderung oder psychologischen Unterstützung hilfreich sein. Gleichzeitig gilt: Sie entscheiden, ob und was Sie davon aufgreifen möchten.
Klare Grenzen - freundlich und bestimmt
Wenn ein Rat nicht zu Ihnen passt oder Sie ihn bereits bedacht haben, dürfen Sie das offen und respektvoll kommunizieren – ganz ohne lange Rechtfertigungen.
Hilfreiche Formulierungen:
- Danke für den Tipp! Ich schaue es mir in Ruhe an – vielleicht ist es ja hilfreich.
- „Wir haben das mit unserer Ärztin/unserem Arzt besprochen und bleiben bei unserem Vorgehen.“
- „Danke für deinen Gedanken. Für uns passt aktuell dieser Weg gut.“
- „Ich möchte das Thema gerade nicht vertiefen. Danke für dein Verständnis.“
Druck rausnehmen – Alltag entlasten
Es ist völlig in Ordnung, Schritte nacheinander zu gehen: Informationen sammeln, einen Termin vereinbaren, ein Gespräch in Ruhe führen. Manche Tipps können wertvoll sein – andere dürfen Sie getrost liegen lassen. Wichtig ist der Spagat: offen für hilfreiche Informationen bleiben, ohne sich schuldig zu fühlen, wenn Sie etwas nicht umsetzen oder freundlich widersprechen. Vergleiche – ob mit anderen Kindern oder mit Bildern in Social Media – erhöhen oft nur den Druck. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Kind und das, was ihm jetzt guttut. Grenzen setzen und trotzdem zuhören können ist der Schlüssel: Sie entscheiden, was passt.
Wann fachliche Unterstützung hilfreich ist
Suchen Sie Unterstützung, wenn Unsicherheit bleibt, Kommentare immer wieder belasten oder der Umgang mit Ratschlägen zu Konflikten führt. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner können sowohl Kinderärztinnen und Kinderärzte, Kinderendokrinologie, psychologische Beratung als auch eine Erziehungsberatung sein. Ziel ist nicht „mehr tun“, sondern das Passende zu tun – mit Rückhalt und Klarheit.
Fazit
Zwischen Offenheit und Selbstschutz die Balance zu halten, ist erlernbar. Wer zuhört, Grenzen setzt und in Ruhe entscheidet, bleibt handlungsfähig und schafft einen verlässlichen, liebevollen Rahmen. Genau das zählt, besonders wenn es um das Wachstum und das Wohlbefinden Ihres Kindes geht.
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